Am Sonntag, dem 14.09.2014, waren 100 Tage seit unserer Abreise am 06.06.2014 in Bremerhaven vergangen. Ein guter Zeitpunkt, eine erste Bilanz zu ziehen.

Zunächst die Zahlen:

2.020,72 Seemeilen haben wir in 40 Reisetagen mit durchschnittlich 50 Seemeilen zurückgelegt

73 Nächte haben wir im Hafen gelegen

20 Nächte haben wir vor Anker/Mooring gelegen

7 Nächte haben wir auf See verbracht

 

Bisher benötigte Ersatzteile:

Kühlwasserpumpe des Motors

WC-Pumpe

Großschot

Impeller für den Außenborder

Solardusche

 

Persönliches Fazit/Eindrücke:

Auf unserer Reise haben wir viele hilfsbereite, freundliche und interessante Menschen kennengelernt. Es sind Einhandsegler unterwegs, auch Familien mit kleinen Kindern, aber die meisten Besatzungen, die wir getroffen haben, sind Paare. Nicht zu vergessen, Peter, der mit seiner Mutter Ruth segelt. Die Lebenswege sind sehr verschieden, jeder hat seine ganz eigene Geschichte. Die Mehrheit der Seglerinnen und Segler, denen wir begegnet sind, sind etwas älter als wir. Die älteren sind entweder schon einige Jahre unterwegs oder sie starten jetzt zu ihrer zweiten Reise.

Bobby Schenk, der "Blauwasserpapst" schreibt in einem seiner Bücher, dass die wichtigsten persönlichen Voraussetzungen für einen Langfahrttörn technisches Verständnis und Zielstrebigkeit sind. Das können wir bestätigen. Allerdings würden wir gerne ergänzen, dass uns auch ein gewisses Maß an Segelerfahrung zum Gelingen erforderlich erscheint. Vielleicht hat Bobby Schenk dies aber auch nicht explizit erwähnt, weil er es für selbstverständlich hält.

Die Reise hat uns jetzt schon insofern verändert, als dass sie uns zu Tagebuchschreibern hat werden lassen. Die täglichen Berichte in unserem (B)logbuch waren zu Beginn der Reise nicht geplant, es hat sich vielmehr so ergeben. Sie sind keine Last, ganz im Gegenteil. Sie sind fester Bestandteil unserer Bordroutine. Die vielen positiven Rückmeldungen, die wir von Verwandten, Freunden, Kolleginnen und Kollegen, aber auch ganz fremden Menschen, die unsere Reise virtuell begleiten, zu unseren Berichten bekommen,  freuen uns sehr.

Monatelang 24 Stunden zu zweit auf 10 Quadratmetern - wie hält man das aus? Diese Frage ist uns vor unserer Abreise hin und wieder gestellt worden. Die Antwort lautet immer noch: Sehr gut! Wir gehen respekt- und liebevoll miteinander um, und wir können uns aufeinander verlassen. Konflikte werden nicht "unter den Teppich gekehrt", wo sie sich entwickeln können, sondern geklärt. Der Skipper ist der verantwortliche Schiffsführer, sein Wort gilt. Trotzdem treffen wir die Entscheidungen, ob wir auslaufen oder noch bleiben, wohin es als nächstes gehen soll, die Segel gerefft oder noch gewartet werden kann, etc., gemeinsam.

100 Tage mit der Amazone unterwegs - das sind mehr als drei Jahresurlaube nahtlos aneinandergereiht. So viele Eindrücke stürmen auf uns ein, dass es gar nicht so leicht ist, mit der Verarbeitung hinterherzukommen. Manchmal, wenn bei der Anmeldung bei den Behörden nach dem letzten Hafen und unserem nächsten Hafen gefragt wird, müssen wir ernsthaft nachdenken, wie er doch gleich hieß und wohin es weitergehen wird.

Wenn dies eine Bilanz sein soll, gilt es auch Negatives zu erwähnen. Nun also zu dem Negativposten: Wir vermissen vor allem unsere Familien und Freunde. Da hilft nur ab und zu  die vielfältigen Kommunikationsmittel wie z.B. das Skypen zu nutzen. Da können wir nicht nur miteinander sprechen oder uns schreiben, sondern uns auch sehen, was jedesmal sehr schön ist.

Die Amazone hat es in ihrem dritten Zwischenruf ja schon vermutet - so "sweet, soft and lazy" wie bisher, wird es wohl nicht immer weitergehen. Recht hat sie: Man sagt, dass jede Yacht auf dieser Tour mindestens einmal verprügelt wird. Das sagen wir ihr aber jetzt noch nicht. Wenn es dann soweit ist, stehen wir drei das durch - ganz sicher!

 

Fazit:

Schade, dass diese Reise irgendwann zu Ende geht. ;-)