In 14 Monaten in die Karibik und zurück


„Ich betrachte den Sonnenuntergang, ich atme den Hauch der Weite, ich fühle meine Seele aufblühen, und meine Freude schwingt so hoch empor, dass nichts sie mehr einzudämmen vermag. Und die übrigen Probleme, die mich mitunter quälten – sie wiegen nicht ein Gramm angesichts der unendlichen Ferne, in der sich das Kielwasser mit dem Himmel vereint, angesichts des Windes über der See, die sich von keinen kleinlichen Alltagssorgen beunruhigen lässt.“

Aus „Der verschenkte Sieg“ von Bernard Moitessier

 

Warum weiter von einer mehrjährigen Weltumseglung träumen, wenn ein Atlantiktörn zu realisieren ist? Und so haben wir am 6. Juni 2014 die Leinen losgeworfen, um in die Karibik aufzubrechen. Seit dem 8. August 2015 sind wir zurück in Bremerhaven.

Für eine längere Auszeit unter Segeln fallen einem immer wieder Argumente ein, die für eine Verschiebung sprechen. Die Faktoren Befähigung, Familie, Boot, Finanzierung und Arbeitsplatz spielen bei den Überlegungen eine gewichtige Rolle. Es gibt immer etwas, das dagegen spricht, sich auf den Weg zu machen, die heimischen Gefilde zu verlassen, sich auf das Abenteuer Langfahrt einzulassen. Wir stellten uns Fragen und Zweifel plagten uns: Tun wir das Richtige? Die Auszeit bedeutet einen Bruch im beruflichen Lebenslauf. Werden wir den Herausforderungen gewachsen sein, als Mannschaft, als Paar? Welche Erwartungen hat jeder für sich und werden sie erfüllt? Wie wird uns die Reise verändern? Wie geht es nach der Reise weiter, wie gelingt uns der Wiedereinstieg in den Alltag?

Mit unserer "Amazone", einer HANSEAT 70, haben wir schon mehrere tausend Seemeilen auf Nord- und Ostsee zurückgelegt. Ziele waren Dänemark, Schweden und Norwegen. Die "Amazone" ist Baujahr 1971, also eine Dame in den besten Jahren. Wohlgeformt, grundsolide, selten zickig und eine treue und tapfere Begleiterin. Wir haben sie 2004 erworben und seither nach und nach vieles aufgearbeitet oder erneuert und Ausrüstung ergänzt. Für einen wochenlangen Nonstop-Törn fehlten allerdings noch einige Dinge, die wir nachrüsteten.

Vor allem hatten wir Respekt vor den Elementen. Wir bereiteten uns und das Boot bestmöglich vor und brachen zu unbekannten Ufern auf. Und das ist wohl eine der größten Herausforderungen - das Gewohnte, Vertraute hinter sich zu lassen, sich auf ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang einzulassen.

Nachdem wir fast 12.000 Seemeilen zurückgelegt haben, 428 Tage unterwegs waren (davon 128 in der Karibik) und eine so unglaublich schöne und intensive Zeit mit den vielen tollen Menschen, Sonne, Wind und Wellen erlebt haben, können wir sagen, dass es eine der besten Entscheidungen in unserem Leben war, diese Reise zu wagen. Unsere Erlebnisse haben wir während der Reise fast täglich in unserem (B)logbuch festgehalten. Fast 400 Beiträge mit etwa 1.200 Fotos haben wir verfasst. Wir würden uns sehr freuen, wenn unser (B)logbuch anderen Seglerinnen und Seglern bei der Planung und Durchführung ihrer Reise von Nutzen sein kann.

In den letzten Wochen haben wir uns sehr intensiv mit unserem Buchprojekt befasst. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und kommt unter dem Titel "14 Monate Sommer" demnächst in den Handel. Näheres hierzu im (B)logbuch.

Viel Spaß beim Lesen unserer Beiträge!

Antje und Ingo Paulus