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Donnerstag, 03.07.2014

Heute soll es weitergehen, und zwar nach Guernsey. Die Wind- und Wettervorhersage ist weiterhin günstig, und das wollen wir nutzen. Bei herrlichem Sonnenschein (24 ° C Lufttemperatur) und leichtem Westwind haben wir um 13.50 Uhr abgelegt. Diesen Zeitpunkt haben wir errechnet unter Berücksichtigung der geplanten Ankunftszeit und der Strömungsverhältnisse. Auf unserer Route können Gezeitenströme von bis zu 7 Knoten auftreten. Die wollen wir uns zunutze machen und nicht gegen uns laufen haben. Unter Großsegel und Genua ging's los, aber schon eine dreiviertel Stunde später mussten wir das Vorsegel wieder einrollen und die Maschine mitlaufen lassen. Der Wind hatte gedreht und abgeflaut.

Die vierte Gastlandflagge konnte dann unterwegs gesetzt werden.

Um 20.30 Uhr hatten wir nach 34 Seemeilen durchs Wasser (über Grund waren es 43 Seemeilen) die Hauptstadt von Guernsey, Saint Peter Port, erreicht. Hier herrscht heute ein Tidenhub von 7,80 Meter, er kann bei Springtide sagenhafte 9,50 m betragen! Bei Nipptide hingegen "nur" 6,20 m. Unser Ziel ist die Victoria Marina. Sie kann aber nur zu bestimmten Zeiten angelaufen werden. Eine Schwelle von 4,20 m Höhe befindet sich in der Einfahrt zur Marina. Diese muss für uns ca. 2 m unter der Wasseroberfläche sein, sonst wäre die Gefahr einer Grundberührung zu groß. D. h., das Hochwasser muss 6,20 m aufgelaufen sein.

Das Zeitfenster zum Einlaufen in die Marina ist für uns heute zwei Stunden vor und zwei Stunden nach Hochwasser. Bei Nipptide können wir also nur genau bei Hochwasser einlaufen. Das Hochwasser sollte gestern hier um 23 Uhr sein. Von daher war klar, dass wir frühestens um 21 Uhr über die Schwelle in die Marina fahren können. Woran wir allerdings nicht gedacht hatten und uns erst kurz vor dem Ziel einfiel:  Auf Guernsey ticken die Uhren anders! Hier gilt die britische Sommerzeit, nicht die mitteleuropäische Sommerzeit. Wir hätten also noch eine Stunde dazurechnen müssen.

Vor der Marina gibt es einen Warteponton, an dem die Yachten festmachen, die auf das Einlaufen in die Marina warten. Als wir uns dem Ponton näherten, kam ein Hafenmeister in einem kleinen Boot angebraust und fragte uns, ob wir in die Marina fahren wollen. Das bejahte ich. Dann fragte er, ob wir keine Haustiere oder andere Tiere an Bord haben. Das bejahte ich auch. Er fragte erstaunt:  "You have pets and animals on board?" Das verneinte ich wahrheitsgemäß. Dann übergab er mir eine Broschüre über Guernsey und die Papiere für die Einklarierung. Jawohl, wir haben heute zum ersten Mal einklariert! Guernsey ist die zweitgrößte der britischen Kanalinseln. Diese sind weder Teil des Vereinigten Königreichs noch Kronkolonie, sondern als Kronbesitz direkt der britischen Krone unterstellt. Sie sind auch nicht Teil der Europäischen Union.

Dann hat uns der freundliche Hafenmeister einen Platz im Pulk der anderen wartenden Yachten zugewiesen. Ca. 30 Boote warteten schließlich darauf, dass genug Wasser über der Schwelle steht.

Um 20.40 Uhr Guernsey-Zeit war es dann soweit (wir haben also 1 Stunde am Ponton gewartet). Der freundliche Hafenmeister lotste eine nach der anderen Yacht in den Hafen und wies die Liegeplätze zu. Also alles ganz geordnet und zivilisiert!

Kurz nachdem wir die Amazone in einer Box festgemacht hatten und mit einem Bierchen im Cockpit saßen, wurden wir von Dietmar begrüßt. Er und seine Frau Katja sind mit ihrer Sunbeam 42 "Summer" (www.summer-sailing.de) seit Anfang Mai d. J. unterwegs. Sie können sich allerdings sehr viel mehr Zeit lassen als wir. Sie werden erst 2015 den Atlantik überqueren.

Es wurde dann wieder ein schöner Abend mit interessanten Gesprächen, und am Ende haben die beiden uns eingeladen, bei ihnen morgen Abend das Fußballspiel Deutschland - Frankreich anzusehen. Katja will etwas Leckeres kochen - was für Aussichten! Wir freuen uns schon!

 

Gestern noch auf dem Sonderparkplatz im Dock, heute schon wieder unterwegs:

 

 

Zum vierten Mal wird eine Gastlandflagge gesetzt:

 

Die Papiere, die der Hafenmeister mir im Vorhafen übergeben hat.

 

In diesen gelben Kasten musste der Skipper persönlich das Einklarierungspapier einwerfen. Erst danach durfte die Mannschaft - also ich - von Bord!