Ja, ich gebe es zu - wir haben einen kleinen "Heimweh-Karton" an Bord. Darin befinden sich u. a. Marmeladen- und Honiggläser. Die Marmeladen haben wir geschenkt bekommen. Sie sind selbstgemacht und ein Geschenk eines befreundeten Kollegen, Marmelade von einer Bremer Parzelle. Außerdem haben wir Senatskonfitüre und Honig vom Martinshof dabei, ebenfalls ein Geschenk. Eine Ansichtskarte mit Bremer Sehenswürdigkeiten, die wir auf unserer Geburtstags- und Abschiedsparty bekommen haben, liegt auch in dem Karton. Eine Dose Beck's Bier darf hier natürlich auch nicht fehlen.

 Ein emotionales Rettungspaket, sozusagen.

Am Montag sind wir ja an Bord interviewt und fotografiert worden, und heute ist schon der Artikel in der Nordsee-Zeitung erschienen:

Der Abreisetermin rückt in greifbare Nähe, und die Vorbereitungen gehen in die letzte Runde. Die Gefühlslage ist diffus. Sie schwankt zwischen Vorfreude, Anspannung, Aufregung und einer Ahnung von Abschiedsschmerz. Bei meinem letzten Impftermin hat mich mein Arzt gefragt, ob ich mich schon freue oder mich frage "Mein Gott, was haben wir getan?" - kluger Mann der Doc! Aber ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Vielleicht stellen wir uns irgendwann unterwegs einmal diese Frage, ich hoffe aber, dass es nicht so kommt.

Montag waren ein Journalist  und ein Fotograf der Nordsee-Zeitung bei uns an Bord. Den Reporter habe ich ziemlich zugetextet. Mal sehen, was davon zu lesen sein wird.

Die Bordapotheke ist jetzt auch komplett - mit freundlicher Unterstützung unseres Hausarztes und einer befreundeten Apothekerin, danke Kirsten! Auch eine nette Nachbarin, die Ärztin ist, hat zur Komplettierung beigetragen, herzlichen Dank nochmal!

 

Das lange Himmelfahrts-Wochenende haben wir für einen Probeschlag nach Helgoland genutzt. Auch die Jungs waren dabei, ein vorerst letztes Familienwochenende. Die Stimmung war prima und die neuen Ausrüstungsteile konnten erprobt und für sehr gut befunden werden. Das neue Großsegel von CO-Segel steht ausgzeichnet, und die Windfahnensteueranlage von Windpilot funktioniert auch einwandfrei. Bei einem geselligen Abend bei Freunden an Bord ist das obige Foto entstanden. Henning und Malte sind wieder in Bremen, und wir erledigen weitere Restarbeiten an der "Amazone".

Die Vorbereitungen laufen weiter auf Hochtouren. Auch unsere Söhne Henning und Malte werden mit eingespannt und helfen z. B. beim Einziehen der Segellatten beim neuen Großsegel. Es bleibt bei unserem geplanten Abreisetermin. Am Freitag, 06.06.2014, legen wir in unserem Heimatverein, dem Wassersportverein Wulsdorf, in Bremerhaven gegen 18.30 Uhr ab. Gegen 19 Uhr wollen wir in die Fischereihafenschleuse fahren, und wenn alles klappt, werden wir ca. um 19.20 Uhr die Schleuse verlassen und auf die Weser hinausfahren. Wenn alles gut läuft, werden wir mit der "Amazone" im August 2015 hier wieder aufkreuzen.

Am 24. Mai 2014 haben wir im Oberweser-Segel-Verein unsere Geburtstags- und Abschiedsparty mit Familie, Freunden und Kollegen gefeiert. Antje ist auch in diesem Verein Mitglied, hat hier einen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbracht, das Segeln gelernt und auch unsere Hochzeit wurde 1989 hier gefeiert. Es war eine schöne Party mit einem Überraschungsauftritt des Shanty Chors des OSV. Wir bekamen zwei Jubiläumsflaggen mit eingesticktem Bootsnamen überreicht. Diese Flaggen wurden in limitierter Auflage zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins 2011 angefertigt. Wir bekamen den Auftrag, eine der Flaggen während der gesamten Reise unter der Saling zu setzen. Nach unserer Rückkehr soll die Flagge - oder das, was dann noch von ihr übrig ist - im Bootshaus präsentiert werden. Auch fünf Vereinsstander wurden uns überreicht, mit der Bitte, sie einem alten Brauch folgend, in fernen Hafenkneipen auszuhängen. Weil der Oberweser-Segel-Verein eventuell in Frankreich, Spanien, den Kap Verden oder der Karibik nicht ganz so bekannt ist, sind diese Stander mit dem Aufdruck "OSV Bremen Germany" bestickt. Diese Aufträge haben wir sehr gerne angenommen und werden auf unserer Reise Flagge zeigen und sie anschließend zum OSV zurückbringen - versprochen. Über den Verbleib der fünf Vereinsstander werden wir in unserem Blog berichten. Der Auftritt des Shanty Chors war super! Wir haben uns sehr gefreut und bedanken uns für diese schöne Idee hier nochmal ganz herzlich!

 

Auch unsere Segel- und Kegelfreunde haben sich etwas Besonderes für uns einfallen lassen. Sie haben auch verschiedene Seemannslieder für uns vorgetragen und uns mit allerhand nützlichen Utensilien - passend zu dem jeweiligen Liedtext - bedacht. So bekam Antje u. a. ein "Fernglas" überreicht. Neben Verbandszeug und Proviant gab es auch hübsche Reizwäsche. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank - ihr habt das Klasse gemacht, wir haben viel Spaß gehabt - Antje konnte sich den Rest der Feier nicht mehr von ihrem "Fernglas" trennen!

Wir bedanken uns bei all unseren Gästen für die tolle Stimmung, die guten Wünsche und die wunderschönen Geschenke! Ihr habt fleißig gebastelt, gemalt, gestrickt und kräftig unsere Bordkasse unterstützt! Es floss auch die eine oder andere Träne - nicht traurig sein, wir kommen ja wieder!

 

Maststellen die Zweite: Der neue Geber für die Windmessanlage ist schnell geliefert worden. Und so konnten wir ihn montieren und am letzten Wochenende den Mast wieder stellen. Das Kühlfach hat eine zusätzliche Isolierung bekommen, und wir haben jetzt sogenannte Leesegel. Sie werden gespannt, damit wir nicht aus der Koje rollen, wenn die "Amazone" Lage schiebt. Außerdem hat Ingo die Einspritzdüsen unseres Motors ausgebaut und zur Überprüfung zu einer Fachfirma gebracht. Ergebnis: Die Düsen müssen gegen neue getauscht werden. Der Fachmann kommt morgen an Bord, baut die neuen Einspritzdüsen ein und überprüft den gesamten Motor.

Jetzt, wo der Mast wieder gestellt ist, funktioniert auch der AIS-Sender. Über diesen Link kann die Positon unserer Amazone verfolgt werden: http://www.marinetraffic.com/en/ais/details/ships/211629820/vessel:AMAZONE. Wenn wir allerdings weiter als 30 sm von der Küste entfernt sind oder den Sender ausgeschaltet haben, gibt es keine aktuelle Positionsmeldung.

Auch ich hatte jetzt meinen letzten Arbeitstag und werde die letzten Tage bis zur Abreise weiter für die Vorbereitungen nutzen.

Zum Abschied gab es noch eine große Weltkarte mit Unterschriften, Reisekasse und einen Karibik Reiseführer mit individuellem Einband.

Und zum Schluss noch ein letztes Foto mit den Kolleginnen und Kollegen der Einkaufsabteilung mit dem Titel "Last day in paradise"

 

Die Segelzeitschrift "Yacht" wird einen Artikel zum Thema "Sabbatical/Ich gönn mir eine Auszeit" bringen. Und so hat sich der Journalist Dr. Peter Sandmeyer mit uns in Verbindung gesetzt und uns zu Hause dazu interviewt. Vielleicht bringen sie dann auch das folgende Foto von uns.

In der aktuellen Ausgabe 11/2014 der Yacht ist auf Seite 44 ein Foto unseres  Salons zu dem Thema "Spezial - Gebrauchtbootverkauf" abgebildet. Untertitelung: " Im Salon herrscht zwar Ordnung, doch die Bilder am Schott, die Bücher und der Teddybär sollten entfernt werden."

Dieses Foto wurde schon 2008 für den Gebrauchtboottest unseres Bootes aufgenommen und im Heft 10/2009 veröffentlicht. Untertitel damals: "Im überaus geräumigen Salon folgt die Form der Funktion."

Wir stehen zu unserem Teddybär - er segelt mit ins Abenteuer!

 

Zum Abschied haben mir die Kolleginnen und Kollegen einen Korb mit Flaschenpost geschenkt. Auch an die Reisekasse haben sie gedacht. Als besonderes highlight habe ich auch noch ein selbstgemaltes Bild bekommen. Ich habe mich sehr über alles gefreut, und es war spannend, die einzelnen Fläschchen zu öffnen. Jede/jeder hat mir gute Wünsche, Sprüche oder auch etwas Nachdenkliches mit auf die Reise gegeben. An dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank, ihr habt mir eine sehr große Freude gemacht!

Frustschutz-Bärchen, Ohnmachts-Happen und Easy-Going-Gum

Diese schönen, leckeren Dinge haben mir liebe Kolleginnen zum Abschied geschenkt. Sie waren als besonderer Proviant für die Reise bestimmt. Ganz ehrlich - für die Reise muss ich unbedingt Nachschub besorgen: Frust und Beinahe-Ohnmachtsanfälle häufen sich in letzter Zeit. Vielleicht gehört  das zum Endspurt dazu?

Aber der Reihe nach: Ingo hatte ja festgestellt, dass der Beschlag für das Achterstag Haarrisse aufweist und ersetzt werden muss, wenn wir den Mast unterwegs nicht verlieren wollen. Wo sind die Ohnmachtshappen?

Wir haben den Mast gestellt, nachdem unser  Edelstahl-Fachmann einen neuen Beschlag für das Achterstag angefertigt hat. Leider hat sich dann herausgestellt, dass der Geber für die Windmessanlage im Masttop nur zeitweise funktioniert und der Mast zwecks Fehlersuche wieder gelegt werden muss: Schnell eine große Portion Frustschutz-Bärchen für den Kapitän und die Crew!

              

Die "Amazone" ist immer noch eine schwimmende Baustelle, die Verkabelung der neuen Geräte dauert doch länger, als angenommen. Nach zwei durchgearbeiteten Tagen funktioniert der neue AIS-Sender dann leider erstmal nicht. Der Fehler ist aber gefunden, und nun sollte es alles funktionieren. Auch der neue Bügel vor dem Herd ist angebaut. Unser Edelstahlfachmann hat uns auch noch eine neue Halterung für die vorhandene, modifizierte Badeleiter angefertigt.

               

Heute kam dann die Nachricht, dass der neue Geber (Garantieaustausch) für die Windmessanlage auf dem Weg zu uns ist. Wir können also am Wochenende das neue Teil anbauen und den Mast wieder stellen.

Eigentlich sollte die To-Do-Liste schon viel weiter abgearbeitet sein: Easy-Going-Gum muss her! Ruhe bewahren, Nerven behalten.

Ein weiterer, großer Schritt in Richtung "Leinen los und auf zu neuen Ufern" ist gemacht: Heute hatte ich meinen vorerst letzten Arbeitstag. Morgens mit Kuchen in der Hand und jeder Menge "Windjammer im Bauch" ins Büro gefahren und noch einiges zu erledigen gehabt - ein geordneter Rückzug, sozusagen. Es war ein erwartungsgemäß aufregender Tag. Es ist gleichermaßen schön und schwer, zu wissen, dass man mich doch ein bisschen vermissen wird. Auf diesem Wege deshalb schon mal ganz herzlichen Dank für die vielen guten Wünsche, Umarmungen und Geschenke! Die Gleitzeitkarte und der Büroschlüssel sind sicher verwahrt und haben jetzt auch eine Auszeit. Die "Hochhackigen", Blazer und weißen Blusen fristen jetzt ein trostloses Dasein im Schrank.

Jetzt haben wir den Großteil unserer neuen Ausrüstung abgeholt. Für Sicherheit, Kommunikation, Ersatzteile, laufendes Gut und ein neues Kutterstag mit 7 mm statt 6 mm Draht. Vieles Weitere und das neue Großsegel sowie die Sturmfock haben nicht auf das Foto gepasst.

Der Sachverständige von der Kaskoversicherung und auchich haben den Mast ja schon im Herbst ordentlich in Augenschein genommen und für akzeptabel befunden. Nur vor dem Stellen wollte ich noch mal sicherer gehen und habe noch genauer hingeschaut. D. h. ich habe auch alle Einzelteile zerlegt und poliert, um auch feinste Risse sehen zu können. Und so musste es wohl auch dazu kommen, dass ich im oberen Edelstahlbeschlag für das Achterstag, der im Masttop verbolzt war, zwei feine Risse entdeckt habe.

Leider habe ich kein Foto gemacht, da ich ihn zum Nachbau gleich am Sonntag meinem Edelstahl-Fachmann in den Briefkasten geworfen habe. Ich hoffe, der Nachbau hat nicht eine so lange Lieferzeit, wie die Halterungen für den Windgenerator, das Solarpaneel und die Antennen. Gar nicht auszudenken, wenn ich die Risse nicht entdeckt hätte und deshalb bei Schwerwetter die Achterstagverbindung und in der Folge der Mast gebrochen wäre – Glück gehabt!

Die Hallensaison ist schon vorbei! Beim Arbeitsdienst durfte ich für den Transport der Schiffe das Hydrocar bedienen und steuern.

Unsere Amazone ist also wieder in ihrem Element und äußerlich fertiggestellt. Am Spiegel sind auch schon die Füße für die Antennen- und Windgeneratormasten montiert, und nächstes Wochenende soll es dann mit dem Halterprojekt weitergehen.

Die Gasleitungsinstallation soll denn ja auch noch verbessert werden. Die Installation vom AIS-Sender, dem DSC-UKW-Funkgerät und der Solaranlage, mit den seit Monaten nicht lieferbaren Solarreglern, wird wohl Ostern in Angriff genommen werden können. Ach ja, die Fußpumpe für den Waschraum will ja auch noch montiert werden, etc.